
Ausleiten & Entgiften – Mythos oder Effektiv?
Entgiften, Ausleiten, Detox – Begriffe, die überall auftauchen. Mal als Wundermittel angepriesen, mal als esoterischer Unsinn abgetan. Aber was steckt wirklich dahinter? Brauchen wir das überhaupt, oder kann unser Körper das nicht längst von selbst?
Was bedeutet Entgiften und Ausleiten?
Unter Entgiften und Ausleiten versteht man in der Naturheilkunde Verfahren, die den Körper dabei unterstützen, Stoffwechselprodukte, Umweltgifte und Belastungen auszuscheiden. Dabei geht es nicht darum, dass der Körper diese Arbeit nicht selbst leisten könnte – sondern darum, ihn in bestimmten Situationen gezielt zu entlasten und die Selbstregulation zu fördern.
Die Idee ist uralt und hat sich unabhängig voneinander in allen grossen Heilkulturen der Welt entwickelt. Schon vor über 5000 Jahren wurde in Mesopotamien geschröpft. Die alten Griechen sahen in der Schröpfglocke das Symbol ärztlicher Kunst. In Europa erklärte man sich die Wirkung über die Säftelehre – das Gleichgewicht der Körpersäfte sollte durch Schröpfen, Aderlass oder Baunscheidt wiederhergestellt werden. In China setzt man seit Jahrtausenden auf Schröpfen und Akupunktur, im indischen Ayurveda gibt es spezielle Ausleitungsverfahren wie Panchakarma.
Dass verschiedene Kulturen auf unterschiedlichen Kontinenten ähnliche Konzepte entwickelten, zeigt: Der Körper gibt uns Signale, wenn er Unterstützung braucht. Und unsere Vorfahren haben gelernt, diese Signale zu lesen und darauf zu reagieren.

Wann braucht der Körper Unterstützung?
Bei einem gesunden Menschen arbeiten Leber, Nieren, Darm, Haut und Lunge zuverlässig daran, Stoffwechselprodukte auszuscheiden. Aber: Es gibt Lebensphasen und Situationen, in denen diese Systeme an ihre Grenzen kommen oder gezielt unterstützt werden sollten.
Frauen in den Wechseljahren
Ein besonders gutes Beispiel ist die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren. Der sinkende Östrogenspiegel hat weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Organismus – nicht nur Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen sind die Folge, sondern auch eine Veränderung des Knochenstoffwechsels.
Hier kommt ein naturheilkundlich sehr wichtiger Punkt ins Spiel: Der Körper ist ein Regulationssystem. Wenn er durch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren tendenziell übersäuert, greift er auf seine Mineraldepots zurück – vor allem auf die Knochen. Calcium und Magnesium werden aus dem Knochenstoffwechsel abgezweigt, um das Säure-Basen-Gleichgewicht wieder herzustellen. Das kann langfristig die Knochendichte verringern und das Osteoporose-Risiko erhöhen.
Hier macht eine gezielte Unterstützung durch ausleitende Verfahren absolut Sinn:
- Body Detox (Elektrolyte-Fussbad) unterstützt die Ausleitung über die Fussreflexzonen und entlastet den Stoffwechsel
- Basische Ernährung und Basentees helfen, die Übersäuerung zu reduzieren
- Lymphdrainage und Schröpftherapie aktivieren den Lymphfluss und fördern die Ausscheidung
Männer und intensiver Sport
Männer, die viel Sport treiben und Muskelaufbau betreiben, stehen vor einem anderen Problem: Eine proteinreiche Ernährung ist für den Muskelaufbau notwendig – aber Protein wird sauer verstoffwechselt. Bei intensivem Training entsteht zusätzlich Laktat in der Muskulatur, was zu einer lokalen Übersäuerung führt.
Diese Übersäuerung kann den Muskelstoffwechsel hemmen und den Muskelaufbau stören. Chronische Übersäuerung führt ausserdem dazu, dass der Körper ständig Mineralien zur Neutralisation bereitstellen muss – was wiederum die Regeneration verlangsamt und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
Sinnvolle Massnahmen:
- Body Detox zur Unterstützung des Säure-Basen-Haushalts
- Basenpräparate und mineralstoffreiche Ernährung
- Schröpfmassage zur Lockerung verhärteter Muskulatur und Förderung der Durchblutung
- Regelmässige Ausleitungstage, besonders nach intensiven Trainingsphasen

Die verschiedenen Arten der Ausleitung
Je nach Beschwerdebild und Zielsetzung gibt es unterschiedliche Ansätze:
Organspezifische Ausleitung richtet sich gezielt an einzelne Organsysteme:
- Leber & Galle: Bitterstoffe (Tees, Tinkturen), Leberwickel, Basenfasten
- Nieren: Nierentees, Body Detox zur Unterstützung der Ausscheidung
- Darm: Hydrokolontherapie, Darmreinigungskuren, Aufbau der Darmflora
- Lymphsystem: Lymphdrainage, Schröpftherapie, Bewegung
Schwermetallausleitung ist ein besonderes Thema. Quecksilber, Blei oder Aluminium lagern sich im Gewebe ab und können langfristig zu Beschwerden führen. Die Ausleitung erfolgt mit natürlichen Mitteln wie Chlorella-Algen, Bärlauch und Koriander nach dem bewährten Klinghardt-Protokoll.
Wichtig: Eine Schwermetallausleitung gehört immer in therapeutische Hände. Vor jeder Ausleitung steht eine Diagnostik durch Blut-, Urin- oder Haaranalyse.
Hautausleitende Verfahren nutzen die Haut als grösstes Ausscheidungsorgan:
- Schröpfen: Aktiviert Durchblutung und Lymphfluss, wirkt über Reflexzonen
- Baunscheidt-Therapie: Setzt Hautreize zur Aktivierung des Stoffwechsels
- Schwitzen: Sauna, Dampfbad – unterstützt die Ausscheidung
Moderne naturheilkundliche Methoden wie Body Detox (Elektrolyte-Fussbad), Blutegeltherapie oder Klangschalentherapie ergänzen die klassischen Verfahren und bieten sanfte, aber wirksame Unterstützung für den Organismus.
Europäische Ausleitungsverfahren – warum der regionale Bezug zählt
In unserer Praxis setzen wir bewusst auf traditionelle europäische Ausleitungsverfahren. Warum?
Tradition und Erfahrung: Diese Methoden haben sich über Jahrhunderte im europäischen Raum entwickelt und bewährt. Sie sind an unsere Konstitution, unser Klima und unsere Lebensweise angepasst.
Klare Wirkprinzipien: Europäische Ausleitungsverfahren arbeiten mit nachvollziehbaren Mechanismen – Durchblutungsförderung, Lymphaktivierung, Reflexzonentherapie. Man sieht und spürt die Wirkung direkt am Körper.
Keine Mystifizierung: Es geht nicht um Energieflüsse oder spirituelle Konzepte, sondern um konkrete körperliche Reaktionen. Das macht diese Verfahren auch für Menschen zugänglich, die einen pragmatischen Zugang bevorzugen.
Das bedeutet nicht, dass andere Traditionen wie TCM oder Ayurveda wertlos wären – sie haben ihre eigene Berechtigung und können wertvolle Impulse geben. Aber für uns macht es Sinn, uns auf die Methoden zu konzentrieren, die aus unserem eigenen Kulturkreis stammen und sich hier bewährt haben.
Wann ist Ausleitung sinnvoll – und wann nicht?
Ausleitung macht Sinn bei:
- Chronischen Verspannungen und Schmerzen
- Müdigkeit und Erschöpfung ohne klare Ursache
- Nach längerer Medikamenteneinnahme
- Bei hormonellen Umstellungen (Wechseljahre, nach Geburt)
- Bei intensivem Sport und Muskelaufbau
- Lymphstau und Durchblutungsstörungen
- Hautproblemen und Cellulite
- Verdauungsbeschwerden und Darmproblemen
- Nach Entfernung von Amalgamfüllungen (therapeutisch begleitet)
- Bei bekannter Schwermetallbelastung (nach Diagnostik)
Ausleitung ist nicht sinnvoll oder sogar kontraindiziert:
- Bei akuten Infektionen oder Fieber
- Bei schweren Grunderkrankungen ohne ärztliche Abklärung
- In der Schwangerschaft (bei meisten Verfahren)
- Bei Blutgerinnungsstörungen
- Bei offenen Wunden oder akuten Hauterkrankungen
- Ohne vorherige Diagnostik bei Verdacht auf Schwermetallbelastung
Nicht alles ist Mythos – aber es braucht Klarheit
Die Antwort auf die Eingangsfrage ist differenziert: Nein, Entgiften ist kein kompletter Mythos. Die Tatsache, dass sich ausleitende Verfahren unabhängig voneinander auf der ganzen Welt entwickelt haben, zeigt, dass hier eine grundlegende menschliche Erfahrung verarbeitet wurde.
Aber: Man muss gezielt wissen, was man erreichen möchte und warum. Eine pauschale «Entgiftung» des gesunden Körpers mit kommerziellen Detox-Produkten ist nicht notwendig und oft wirkungslos.
Die moderne Wissenschaft bestätigt: Unser Körper ist bereits ein Meisterwerk der Selbstreinigung. Leber, Nieren, Darm, Haut und Lunge arbeiten rund um die Uhr. Forscher haben mittlerweile 90 Gene identifiziert, die speziell an diesen Entgiftungsprozessen beteiligt sind.
Ausleitende Verfahren machen dann Sinn, wenn sie nicht als «Entgiftung» verkauft werden, sondern als das, was sie sind: Methoden zur Unterstützung der körpereigenen Regulationssysteme. Methoden, die den Körper in seiner natürlichen Regeneration unterstützen – nicht ersetzen.
Sie wirken über konkrete physiologische Mechanismen: verbesserte Durchblutung, Aktivierung des Lymphsystems, Entspannung der Muskulatur, Anregung des Stoffwechsels, Unterstützung der Ausscheidungsorgane.
Der naturheilkundliche Ansatz sieht den Menschen als Ganzes und fragt: In welcher Lebensphase befinde ich mich? Welche Belastungen gibt es? Wo braucht der Körper gezielt Unterstützung? Diese individuelle Betrachtung macht den Unterschied zwischen wirkungsvoller Therapie und pauschalen Detox-Versprechen.
Bei uns in der Praxis magena bieten wir verschiedene Ausleitungsverfahren an – von Schröpftherapie über Baunscheidt und Body Detox bis hin zur Blutegeltherapie. Individuell abgestimmt auf deine Bedürfnisse.